Warum sind die Preise für Milchprodukte so stark gefallen? Warum bekommt der Landwirt derzeit so wenig Geld?

Der Auszahlungspreis für einen Liter Milch (genauer gesagt für 1 kg Milch, denn die korrekte Berechnung von Milchmengen erfolgt in Kilogramm und Tonnen) ist in Deutschland im Lauf des Jahres 2015 um ca. 40% gefallen. Für die Milchviehhalter bedeutet das einen Verlust, der für viele Tausend Höfe zu einer Frage des Überlebens wird.

Aber auch für die Molkereien und die Händler von Milchprodukten bedeuten die Preiseinbrüche erhebliche Probleme. Woher aber kommt dieser plötzliche Verfall? Was sind die Ursachen dafür, dass plötzlich rund um den Globus ein derart großes Überangebot an Milch und Käse besteht, dass manche von einer „Milchflut“ sprechen, andere von einer „Weltmilchmarkt-Krise“?

Drei der wichtigsten Einflussfaktoren für die aktuelle Situation an den internationalen Märkten für Milchprodukte sind:

1. Der Konflikt zwischen der EU und Russland in der Folge der Annexion der Krim und der Besetzung weiter Teile der Ost-Ukraine durch russische Einheiten: Nachdem die EU Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hatte, reagierte Russland mit einem Importverbot von, unter anderem, landwirtschaftlichen und milchwirtschaftlichen Gütern.

2. Der Einbruch des Wirtschaftsbooms in China. Auch wenn Experten seit längerem vor einem Einbruch des rasanten Wirtschaftswachstums in China gewarnt haben, stieg die Nachfrage nach ausländischen Gütern, darunter insbesondere auch qualitativ hochwertiger Lebensmittel weiter. Entsprechend stieg auch die Nachfrage nach deutschen Milchprodukten, bis der Markt in 2015 in sehr erheblichem Maße eingebrochen ist.

3. Neuseeland ist nicht nur einer der weltweit größten Milchproduzenten, sondern auch einer der weltweit größten Exporteure von Milch und Milchprodukten in alle Welt – vor allem auch nach China und andere Teile des asiatischen Marktes. Ungeachtet des Einbruchs der großen Abnahmemärkte Russland und China stieg die Menge der produzierten Milch in Neuseeland weiter an. Zu den ohnehin vorhandenen, nicht abgenommenen Mengen kamen folglich nicht vorausberechnete, zusätzliche Milchmengen hinzu und führten zu einem weiter verschärften Wettbewerb und entsprechendem Druck auf die Preise.

RUSSLAND

Für einen durchschnittlichen deutschen Milchviehhalter (75 Kühe, 600.000 kg Milcherzeugung) bedeutet das Russland-Embargo eine Erlöseinbuße von geschätzt 18.000 Euro

Der jährliche Schaden für die deutsche Landwirtschaft wird auf etwa 1 Milliarde Euro jährlich geschätzt. Das entspricht 6% der Wertschöpfung.

Export von Milchprodukten Deutschland – Russland in Millionen Euro
Jeweils August – Juli

2012/2013: 218 Mio. EUR;
2013/2014: 125 Mio. EUR;
2014/2015: 8 Mio. EUR

Im Jahr 2013 sind Milchprodukte im Wert von 165 Mio. EUR von Deutschland nach Russland ausgeführt worden. Das entspricht einem Anteil an den deutschen Gesamtmilchexporten von 1,8 Prozent.

Käse war dabei mit einem Exportanteil von fast 90 Prozent (2013) an den gesamten russischen Milchausfuhren das wichtigste Milchprodukt.

Im Jahresvergleich zu 2012 (300 Mio. EUR) sind die Ausfuhren von Milchprodukten um 47 Prozent zurückgegangen. Im Jahresverlauf 2014 sind die Ausfuhren dann fast ganz zum Erliegen gekommen.

In den Jahren 2012/2013 wurden vor dem Embargo etwa 2,5 Prozent der gesamenten EU-Milchproduktion nach Russland exportiert

Einschätzung der AMI Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (Juli2015)

Russland war im Jahr 2013 (vor dem Embargo) der weltweit größte Importeur von Käse und Butter. Es wurden:
– 429.000 Tonnen Käse
– 144.000 Tonnen Butter
– 110.000 Tonnen Magermilchpulver
– 35.000 Tonnen Vollmilchpulver
importiert.

Die EU deckte einen Großteil dieses Bedarfs ab:
– 257.000 Tonnen Käse
– 37.000 Tonnen Butter
– 21.000 Tonnen Magermilchpulver
– 3.000 Tonnen Vollmilchpulver

Deutschland führte 2013 Milch und Milcherzeugnisse im Wert von 164,4 Mio EUR aus (ca. 397.000 Tonnen) aus. Aufgrund bereits bestehender veterinärrechtlicher Sperren sind die deutschen Exporte von Milch und Milcherzeugnissen nach Russland im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 45% zurückgegangen, bei Käse betrug der Rückgang 49%.

Deutscher Außenhandel mit Russland (Ausfuhr)
Quelle: BMEL Außenhandelsstatistik – Länderbericht Russland

Milch und Milcherzeugnisse ohne Butter und Käse

2012: 15.757,1 Tonnen;
2013: 8.588,0 Tonnen;
2014: 4.102,7 Tonnen

Butter u.a. Fettstoffe an der Milch

2012: 1.115,3 Tonnen;
2013: 1.157,1 Tonnen;
2014: 485,1 Tonnen

Käse

2012: 75.328,4 Tonnen;
2013: 38.385,9 Tonnen;
2014: 13.304,4 Tonnen

Quelle: BMEL Auswirkungen der russischen Importbeschränkungen auf die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft(Stand 27.10.2014)

2012 wurden Milch und Milchprodukte im Wert von insg. 300 Mio. EUR (3,7% des Gesamtexportwerts von 8,2 Mrd. EUR) nach Russland ausgeführt.

Davon waren 265 Mio. EUR Käse, was 7,6% der deutschen Käseausfuhren bzw. 88% der Ausfuhren von Milch und Milcherzeugnissen nach Russland entspricht

Aufgrund bereits bestehender veterinärrechtlicher Sperren sind die deutschen Exporte von
Milch und Milcherzeugnissen nach Russland im Jahr 2013 um 45% (135 Mio. €) auf 165 Mio. € zurückgegangen, darunter Käse um 49% auf 141 Mio. €. Im ersten Halbjahr 2014 gingen 11.000 t Käse (-47 %) im Wert von 43 Mio. € (-43 %) nach Russland. Ab März wurden keine Butter und andere Milchstreichfette exportiert und der Export von Käse ging dramatisch zurück.

Milk.de 18.02.2016

CHINA

China: Weniger Vollmilchpulver, aber mehr Molkenpulver und Käse importiert
Die Nachfrage Chinas nach Milchprodukten am Weltmarkt ist 2015 im Vergleich zum Spitzenjahr 2014 gesunken. Sie sank bei der Betrachtung von Commodities ohne Konsummilch und Babynahrung um rund 2,6 Mio. t Milchäquivalente.

Am stärksten gesunken sind die Importe von Vollmilchpulver, die von 2009 bis 2014 massiv angestiegen waren. 2015 wurden noch 347.048 t importiert. Das war mit einem Rückgang um 48 % im Vergleich zum Vorjahr fast eine Halbierung.

Auch die Importe der Jahre 2012 und 2013 wurden damit nicht wieder erreicht. Dennoch ist China weltweit der mit Abstand größte Importeur von Vollmilchpulver geblieben.

Die Einfuhren von Magermilchpulver sind ebenfalls niedriger ausgefallen als in den beiden Vorjahren. Sie sanken verglichen mit 2014 um 21 % auf 200.268 t.

Auch die Butterimporte, die 2014 einen Höchststand von über 80.000 t erreicht hatten, schrumpften.

Andere Produktsegmente haben sich positiver entwickelt. So stiegen die Käseimporte in China auf 75.581 t und damit auf den höchsten Stand aller Zeiten.

Die Einfuhren von Molkenpulver erreichten mit 433.376 t ebenfalls ihren bisherigen Rekord. Mehr importiert wurde auch an Laktose. Hier war eine Steigerung um 6 % auf 89.527 t zu verzeichnen. Außerdem wurde mit 21.152 t deutlich mehr Kasein eingeführt als in den Vorjahren.

Milchimporte in China seit 2011(in 1000 Tonnen)

2011: 932;
2012: 1163;
2013: 1619;
2014: 1804;
2015: 1641

Deutscher Außenhandel mit China (Ausfuhr)
Quelle

Export deutscher Milch und Milcherzeugnisse (ohne Butter und Käse) nach China

2012: 89.542,7 Tonnen;
2013: 130.753,7 Tonnen;
2014: 173.539,0 Tonnen

Butter u.a. Fettstoffe an der Milch

2012: 175,0 Tonnen;
2013: 47,0 Tonnen;
2014: –

Käse

2012: 544,7 Tonnen;
2013: 370,8 Tonnen;
2014: 619,5 Tonnen

China hat im Januar 2016 mit 289.890 Tonnen 51,2 % mehr Milchprodukte importiert als im Januar 2015. Eine grundlegende Trendwende lässt sich daraus aber noch nicht ableiten.

Neuseeland:

Milchproduktion in Mio t Milch:

2009/2010: 17,9
2011: 18,6
2012: 20.517
2013: 20.148
2014: 21.843
2015: 21.533

http://www.dcanz.com/files/New%20Zealand%20Milk%20Production%2019Feb2016.pdf

USA:

Milchproduktion Mio. t. Milch:

2010: 87,49
2011: 89,02
2012: 91,01
2013: 91,28
2014: 93,46
2015: 94,73

(Für Wert 2015 siehe: http://www.topagrar.com/news/Rind-Rindernews-USA-hat-2015-wieder-mehr-Milch-erzeugt-2731329.html )
Milchproduktion USA seit 2010 in mill. Pounds:

2010: 192.877
2011: 196.255
2012: 200.642
2013: 201.231
2014: 206.046
http://www.ers.usda.gov/datafiles/Dairy_Data/annualmilkprodfactors.xlsx

http://www.ers.usda.gov/data-products/dairy-data.aspx