Der Preis, den Landwirte für die Milch ihrer Kühe bekommen, ist wachsenden Schwankungen unterworfen. Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt wirken sich deutlich auf die hiesigen Erzeugerpreise aus. Vielfach wirken Kräfte auf den Markt ein, die schnell zu einer unvorhersehbare Entwicklung führen. Die Milcherzeugung wird teilweise durch sich ändernde politische Rahmenbedingungen – wie beispielsweise das EU-Handelsembargo gegen Russland – oder auch durch Wetterkapriolen beeinflusst. Werden solche Einflüsse in wichtigen Milcherzeugungsregionen wirksam, so kann dies immense Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage haben, und somit den Milcherzeugern, die eher langfristig planen, große Schwierigkeiten bereiten. Die Schwankungen von Angebot und Nachfrage schlagen sich auch auf die Verbraucherpreise nieder, wie etwa bei Milch- und Butterpreisen letztlich zu sehen.

Darüber hinaus hat auch der Lebensmitteleinzelhandel aufgrund der Konzentration der Branche auf wenige große Unternehmen einen starken Einfluss auf die Preisbildung in Deutschland, dem die Milchwirtschaft bislang wenig entgegensetzen kann.

Häufig wird auch die Meinung vertreten, dass Milcherzeuger bei rückläufigen Preisen ihre Erzeugung steigern, um ihren Umsatz stabil zu halten (inverses Angebotsverhalten). Dabei wird auf die Entwicklungen im Jahr 2015 verwiesen. Angeführt wird, dass in der zweiten Jahreshälfte die Milchmenge bei rückläufigen Preisen deutlich über Vorjahresmenge lag. Allerdings lief im April 2015 die Milchquote aus und viele Milcherzeuger hatten in Vorbereitung darauf in neue Ställe investiert. Die Planungen der Betriebe, die weit im Vorfeld des Auslaufens der Quote getroffen wurden, waren zu diesem Zeitpunkt bereits umgesetzt, sodass genau dann die Produktionen hochgefahren wurden. Die Entwicklungen in den Rinderbeständen bestätigen diese These (siehe auch Thünen Bericht „Evaluierung über die in Deutschland erfolgte Umsetzung des Milchreduktionsprogrammes sowie der Milchsonderbeihilfe“: „Ab November 2012 stieg die Anzahl der Milchkühe von etwa 4,19 Millionen Tiere auf über 4,31 Millionen Tiere im Mai 2014 an. Damit reagierten die Milcherzeuger mit einem Bestandsaufbau in Erwartung des Endes der Milchquote im März 2015.“). Es handelt sich im Jahr 2015 also um einen Sondereffekt. Im Jahr 2016 waren dann, bei konstant niedrigen Milchpreisen, die Anlieferungsmengen besonders im 2. Halbjahr stark rückläufig.

Richtig ist, dass jeder einzelne Betrieb betriebsspezifisch reagiert. Verzögerungen in der Mengenreaktion sind auf die vergleichsweise langen Produktionszyklen zurückzuführen.

Auszahlungspreis für Milch in NRW, inkl. aller Zu- und Abschläge, ab Hof, ohne MwSt. / von 1984 bis 2017, bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß (Quelle: Milch NRW, 2018)

Das folgende Video auf „My Kuh Tube“ gibt weitere Einblicke in ökonomische Aspekte eines Milchviehbetriebs: https://www.youtube.com/watch?v=hI0CRgU6g9A

Zur Bedeutung der Milcherzerzeugung in Deutschland:
„Die Milcherzeugung ist der wichtigste Produktionszweig der deutschen Landwirtschaft und die deutsche Molkereiwirtschaft die größte Branche innerhalb der deutschen Ernäh-rungsindustrie. Für etwa ein Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland stellt die Milcherzeugung – in vielen Fällen ohne wirtschaftliche Alternativen – die Haupteinnahmequelle dar. Damit ist die Milchwirtschaft in vielen Regionen nicht nur von großer Bedeutung für den ländlichen Wirtschafts- und Arbeitsmarkt. Sie leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Pflege gewachsener Kulturlandschaften. Über die Grünlandnutzung wird an vielen Standorten die Landschaft offen und für den Lebens- und Erholungsraum und den Tourismus attraktiv gehalten.“
(https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Milchbericht2017.pdf?__blob=publicationFile)