Ich bin Milchbäuerin und liebe meinen Beruf

Die Milchwirtschaft ist ganz und gar nicht mehr eine reine Männerdomäne

Stephanie Behnen hat im Sommer dieses Jahres ihren Bachelor Agrarwissenschaften abgeschlossen. Die 23-jährige Landwirtin lebt zusammen mit ihrer Familie auf ihrem Hof in der Gemeinde Groß Berßen im Landkreis Emsland. Stephanie kümmert sich täglich um 165 Kühe – und kennt jede Einzelne genauestens. Sie liebt die tägliche Arbeit mit ihren Tieren und findet auch, dass das Klischee von der Milchwirtschaft als Männerdomäne längst Schnee von gestern sei.

Insgesamt halten die Behnens 400 Rinder inklusive Bullenmast. Als weiteres Standbein kommen 600 Schweine hinzu. Als Futtergrundlage für ihre Tiere dienen180 Hektar, die als Grünland sowie für den Anbau von Weizen und Gerste genutzt werden. Auf dem Hof unterstützen zwei Lehrlinge und ein Angestellter die tägliche Arbeit.

Stephanie, warum bist du Landwirtin geworden?

„Ich liebe es, den ganzen Tag mit den Tieren arbeiten zu können und selbstständig zu sein. Ich bin so aufgewachsen und kenne es nicht anders. Am Schönsten ist es, wenn ein neues Kalb geboren wird. Die Kuh liegt dann da, zusammen mit ihrem Kalb. Wenn alles gut gegangen ist, bin ich einfach nur glücklich. Dieser Kreislauf, von der Geburt, über das tägliche Begleiten und Pflegen der Tiere bis hin zur Produktion des Futters, ist einfach nur faszinierend.“

Was liebst du besonders an deinem Job?

„Besonders liebe ich, dass man gemeinsam – mit der ganzen Familie – die Arbeit erledigt. Es ist erstaunlich, was man zusammen alles erreichen kann.

Und wie schon gesagt, den Umgang mit den Tieren. Jeden Tag und immer.

Ich kann jede Nummer von den 160 Kühen auseinanderhalten, kenne die Namen und besonderen Eigenschaften jedes einzelnen Tieres. Ich bin aber manchmal auch nur stundenlang im Stall und guck mir die Tiere an.“

…und keine Probleme, nirgends, weil du eine Frau bist?

„Heutzutage sind doch immer mehr Frauen in der Landwirtschaft tätig. Mein Freund, der selbst mit Landwirtschaft viel zu tun hat, akzeptiert meinen Job zu 100%. Vieles machen wir zusammen und unsere Freunde akzeptieren die Arbeitszeiten, die wir haben. Oft helfen sie sogar. In jedem Fall interessieren Sie sich für das, was ich mache. Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt. Sie haben sogar nochmal investiert, als ich gerade Abitur gemacht habe, damit ich bessere Voraussetzungen vorfinde. Auch meine Großeltern sind sehr stolz auf mich.“

Wenn man Dir zuhört, bekommt man richtig Lust, selbst einzusteigen…

„Auf jeden Fall sollten mehr Frauen in diesen Beruf gehen. Dass die Milchwirtschaft, wie es oft behauptet wird, eine reine Männerdomäne ist, sehe ich nicht. Es gibt schon viele Frauen, die sich das zutrauen. Früher, in der Generation meiner Eltern, war das noch anders. Man muss Spaß daran haben und mit Herz dahinterstehen. Ich empfehle das jedem! Der tägliche Umgang mit den Tieren ist das Schönste.“

Die Tierhaltung ist ein sehr umstrittenes Thema – auch im Hinblick auf die Milchviehhaltung—

„Ich finde, dass Kühe in unseren Regionen schon sehr artgerecht gehalten werden. Anbindehaltung ist nur noch selten zu finden. Meist sind die Kühe im Laufstall und haben Liegeboxen. Unsere Kühe sind sauber und gepflegt. Es ist schlimm, wie wir Landwirte manchmal dargestellt werden. Wir setzen kein Antibiotikum willkürlich ein. Für mich ist das teilweise schon beleidigend, wie die Medien das Thema manchmal darstellen. Es ist schade, dass es kaum Berichte darüber gibt, wie es anders gehen kann. Wie es wirklich im Stall aussieht. Wir müssen alles einhalten. Ich habe absolut kein schlechtes Gewissen. Jeder kann vorbeikommen und sich einen eigenen Eindruck machen – ich möchte gerne alles erklären.“

behnen-4Viele Landwirte sind enttäuscht von der Politik. Glauben Sie noch an die Politik als einen Partner und Unterstützer der Landwirtschaft?

Die Politik muss hinter uns stehen und nicht gegen uns arbeiten. Viele Politiker haben keine Ahnung von Landwirtschaft und treffen dennoch wichtige Entscheidungen. Auch die Medien stellen die Landwirtschaft oft schlecht dar.“ TTIP wäre für uns schon schwierig. Das Beispiel des argentinischen Steaks zum Beispiel. Unser heimisches Rindfleisch wird nicht richtig wertgeschätzt. Aber es gibt ja leider auch viele Menschen, die sich das einfach nicht leisten können.“

Was wünschst du dir für die Zukunft?

„Für den Betrieb wünsche ich mir, dass das alles so klappt, wie wir uns das vorstellen. Schön wäre es, in der Zukunft eine eigene Milchtankstelle hier auf dem Hof zu haben.“