Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung

Die vom Bundesrat beschlossene Aufhebung der Zulassung der Anbindehaltung für Kühe ist – auch wenn die Übergangsfristen großzügig bis zum Jahr 2028 eingeräumt worden sind – ein richtiger und wichtiger Schritt zur Verbesserung der Tierhaltung. Diese Haltungsform hat sich insbesondere in Süddeutschland bei ungünstigen landschaftlichen Gegebenheiten ergeben, sie war die typische Haltungsform im Winter und in den letzten Jahrzehnten das Ergebnis der Intensivierung der Milchproduktion zur Sicherstellung der Ernährung der Kühe.

Veränderungen der Milchkuhhaltung sind in vielen Fällen durch die Boxen-Lauf-Ställe schon verwirklicht worden und werden jetzt gesetzlich geregelt. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung tiergerechterer Haltung, die nachhaltig zur Gesundheit der Tiere beiträgt, wenn die Bodenqualität der dann zur Verfügung stehenden Laufflächen rutschfest ist und mögliche Auslaufflächen für alle Tiere ohne Rangkämpfe (= breite Laufgänge) leicht erreichbar sind. Mögliche Bewegung der Kühe u. U. in Verbindung mit einem großen Auslauf oder sogar Weidegang trägt zur Verbesserung der Tiergesundheit bei und bedingt eine Abnahme der (Zwangs)Abgänge. Eine Verlängerung der ökonomisch optimalen Nutzungszeit von zurzeit < 3 Laktation auf 4 – 6 Laktationen verringert die Kosten und erhöht das Einkommen.

Diese Umstellung wird Kosten verursachen. Der heutige Milchpreis, der als beschämende Missachtung der Arbeit der Landwirte/innen anzusehen ist und eine Gefährdung der Gesundheit der Kühe bedeutet, lässt die erforderlichen Investitionen nicht zu. Ein Umdenken ist erforderlich. Es beginnt mit der einfachen Feststellung, dass es keinen „Milchhahn“ gibt, den man beliebig entsprechend der Marktlage auf- oder zudrehen kann. Hier sind alle gefordert: Politiker und Parteien, Verbände und Verbraucher/innen. „Preiswürdigkeit“ der Milch und Milchprodukte darf nicht allein den großen Einzelhandelsketten überlassen werden.

Prof. Dr. Holger Martens (a.D.) – Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Holger Martens

Veterinärmediziner Prof. Dr. Holger Martens setzt sich auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst an der Freien Universität Berlin (FU) für das Wohlergehen von landwirtschaftlichen Nutztieren, allen voran der Milchkuh ein. Martens promovierte 1972 und habilitierte 1978 an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Von 1988 bis zu seiner Pension im Jahr 2010 hatte er einen Lehrstuhl für Physiologie an der FU inne. In den Jahren 1991-1992 und 1992-1995 war er Dekan des Fachbereichs Veterinärmedizin der FU. Neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Kuratoriums des Forschungsinstituts für Biologie Landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf, war er auch Vorsitzender der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) und Mitglied im Präsidium der Bundestierärztekammer.