Weniger Körper, mehr Kopf! – Vom Nutzen und neuen Herausforderungen durch Technik im Stall

Hightech im Kuhstall gehört auf dem Bützler Hof in Bad Münstereifel, NRW, zum Alltag. Melkroboter und Spaltenreinigungsroboter sind zwei der „dienstbaren Geister“, die Betriebsleiter Sebastian Bützler und seinen Vater, der immer noch gerne mitarbeitet, im Alltag unterstützen. Die Zeit, die er dadurch gewinnt, nutzt der Betriebsleiter intensiv, um sich mit Themen wie der optimalen Fütterung, Tierwohl und Tiergesundheit auseinanderzusetzen. Aber auch für die Kommunikation mit der Gesellschaft nimmt sich Sebastian Bützler immer wieder Zeit.

Sebastian Bützler mit Sohn Moritz, der schon jetzt kaum genug von der landwirtschaftlichen Praxis bekommen kann.

Seit drei Generationen bewirtschaftet die Familie Bützler die Hofstelle in der Nähe von Bad Münstereifel. Mit 200 Hektar Grünland, 20 Hektar Mais, 200 Milchkühen und 200 Stück Nachzucht ist der Betrieb durchaus flächenstark. Nährstoffkreisläufe und die Novelle der Düngeverordnung machen den Bützlers deshalb keine Sorgen. Die vorwiegend schwarzbunten Kühe bringen mit 11.300 kg Milch pro Tier und pro Jahr, mit 4 Prozent Fett und 3,44 Prozent Eiweiß eine sehr hohe Leistung. „Die Milchviehhaltung ist einfach mein Ding“, beschreibt Sebastian „Basti“ Bützler, was ihn seinerzeit zu der landwirtschaftlichen Lehre und zu der Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt gebracht hat.

Tiergesundheit und Tierwohl „ganz vorne“

Der moderne Stall mit drei Melkrobotern bietet Platz für 200 Milchkühe.

„Wenn es unseren Tieren gesundheitlich nicht gut ginge, dann ginge es uns selbst auch wirtschaftlich nicht gut.“ Deshalb sucht der Betriebsleiter stetig nach Möglichkeiten, die Bewirtschaftung noch tiergerechter, effizienter und umweltschonender zu gestalten. Dazu gehört, dass der Tierarzt routinemäßig alle zwei Wochen – und ansonsten nach Bedarf – auf dem Betrieb vorbeischaut. Und hier kommt auch die Technik wieder ins Spiel, denn die Melkroboter und die genutzte Software zum Herdenmanagement bescheren dem Landwirt eine Flut von Daten, die ausgewertet und dann entsprechend genutzt werden will.

„Die innovative Technik im Stall ermöglicht es uns zunächst, den Bedürfnissen der Tiere optimal zu entsprechen. Sie kommen von sich aus bis zu sechsmal pro Tag – im Durchschnitt gut dreimal – zu den Melkrobotern, werden aber von dem System durchschnittlich auch nur dreimal eingelassen und gemolken. Für uns ist das ein Beleg für die gute Beweglichkeit, d. h. für den guten Gesundheitszustand, und für die ausgewogene Zusammenstellung unserer Futterrationen. Obendrein bedeutet das für uns eine klare Arbeitserleichterung“, stellt Sebastian Bützler zufrieden fest.

Vorlage des Futters, das auf betriebseigenen Flächen wächst.

Die Daten, die beispielsweise über die Melkroboter gesammelt werden, geben dem Landwirt ganz entscheidende Einblicke in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Milchviehherde. „Wir sehen genau, wann ein Tier zum Melkroboter geht, wie viel Milch es gibt und wie hoch die Fett- und Eiweißgehalte sind. Genauso können wir die Zellzahl der Milch und damit den Gesundheitsstatus jeder einzelnen Kuh genau im Auge halten. Ich verbringe jeden Tag viel Zeit vor dem Computer und gleiche das, was die Daten mir sagen, mit dem ab, was ich selbst im Stall sehe. In der Summe heißt das für uns: Weniger Körper, viel mehr Kopf – und der Erfolg gibt uns bei diesem Weg recht“, freut sich der Landwirt.

Selbst für Dialog und Transparenz sorgen

Kopf statt Körper: „Man muss sich mit den Daten befassen, die die Technik liefert, wenn man damit tatsächlich mehr Tierwohl, bessere Tiergesundheit und die passenden wirtschaftlichen Ergebnisse erzielen will“, sagt Sebastian Bützler.

Neben der Freude, die ihm die Arbeit mit Tieren und das „Gesamtpaket aus Natur und Technik“ macht, ist auch das Filmen ein Hobby des 35-jährigen Landwirts. Regelmäßig stellt er Filme unter „Nordeifel Agrarvideos“ auf einem eigenen YouTube-Kanal ein. Auch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ist erkennbar, dass Sebastian Bützler sich für Technik begeistert: Mit drei Melkrobotern melken zwei Arbeitskräfte rund 2 Millionen Liter Milch im Jahr, und als weitere „Helfer“ tun zwei Futterschieber und ein Spaltenreinigungsroboter unermüdlich ihren Dienst.

Über die Agrarvideos hinaus, mit denen Sebastian Bützler immer wieder Einblicke in seinen Arbeitsalltag vermittelt, berichtet er auch für die Online-Plattform „agrarheute“ über all das, was auf einem Milchviehbetrieb so anfällt, und bloggt auf „Hofheld.de“. Und schließlich hat Kommunikation auch direkt vor Ort einen hohen Stellenwert für den Betriebsleiter: „Ich nehme mir gerne die Zeit, Spaziergängern in Hofnähe zu erklären, was ich gerade tue, und warum ich es so mache. Ich freue mich über Interesse an unserer Arbeit und nehme die Fragen der Menschen ernst. Diese direkte Kommunikation ist authentisch, und ich spüre immer wieder, dass kleine Erläuterungen Großes bewirken können. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle in der Branche hier noch mehr tun können – und mehr tun müssen – wenn wir der wachsenden Kluft zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft wirksam begegnen wollen“, so das Fazit von Sebastian Bützler.