Hofreportagen

Hofnachfolge mal anders

„Zugelaufener Sohn“ wird Hofnachfolger

Warum die Zukunft mit einem Schnitzel begann ...

 

Die Geschichte des Milchkuhbetriebs Borkes Bußhaus in Hamminkeln-Loikum ist keineswegs alltäglich: Seit 2019 wird der Hof von einer GbR bewirtschaftet, in der Landwirt Bernhard Borkes Bußhaus und sein „zugelaufener Sohn“ Niels Fahl zusammenarbeiten. Niels wohnt heute mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf dem Betrieb – mit Bernhard Borkes Bußhaus, dessen Lebensgefährtin und dessen Mutter – wie in einer ganz normalen Mehrgenerationenfamilie.

Am Anfang stand ein Schnitzel …

Schon seit Kindergartentagen hatte Niels nicht nur großes Interesse an allem, was auf den Bauernhöfen in der Nachbarschaft passierte, sondern auch den großen Wunsch, selbst eines Tages Landwirt zu werden. Jede freie Minute verbrachte er auf den Betrieben rund ums Dorf und kam so eines Tages auch zum Hof von Bernhard Borkes Bußhaus. Der Landwirt erinnert sich schmunzelnd: „Wir waren damals gerade bei der Grasernte, und ich habe den Leuten etwas zu essen gebracht. Niels hat sich direkt auch ein Schnitzel genommen und verputzt. Da habe ich ihm gesagt, dafür müsse er nun aber auch was tun. Er ist den ganzen Tag geblieben und hat abends noch das Silo mit abgedeckt. Am nächsten Tag war er wieder da – und so ist das bis heute geblieben! Wenn dann in der Folge gegen 13:30 Uhr der Schulbus am Hof vorbeikam, konnte ich sicher sein, dass Niels um 13:45 Uhr hier auf dem Betrieb sein würde.“

„Learning by doing“ plus solide Ausbildung

Im Lauf der Jahre hat Niels Fahl von Bernhard Borkes Bußhaus vieles gelernt und nach eigener Einschätzung „eine super Anleitung bekommen“. Trotzdem entschieden Niels und „Ziehvater Bernhard“, dass zu einer soliden Ausbildung auch die landwirtschaftliche Lehre auf einem Fremdbetrieb und der Besuch der Fachschule gehören. Ohne, dass es groß besprochen worden wäre, hat der Betrieb so im Lauf der Jahre eine Perspektive für die Hofnachfolge bekommen. „Für mich alleine hätte der alte Kuhstall gereicht. Wenn ich aufgehört hätte, wäre auch der Hof nicht weitergeführt worden. Aber natürlich ist der Betrieb für einen Bauern das Lebenswerk, und es ist sehr schön, wenn das von der nächsten Generation weitergeführt wird“, beschreibt der Senior in der GbR seine Gedanken.

Hofnachfolger + Stallneubau = Zukunft für die Hofstelle

Aus Sicht des Juniorpartners Niels war die sich entwickelnde Perspektive einer Hofübernahme eine Riesenchance. „Natürlich gab es auch Tage, an denen man sich gefragt hat, ob das denn die richtige Entscheidung ist“, erinnert er sich. Da dies offenbar der Fall war, standen irgendwann auch Überlegungen für die Zukunft an. Bernhard erzählt: „Niels und ich haben uns nach reiflicher Überlegung entschieden, einen neuen Kuhstall zu bauen und dem Betrieb damit eine Zukunftsperspektive zu geben. Damit war aber auch klar, dass Niels zukünftig einen Großteil der aufgenommenen Kredite zurückzahlen muss – aber das zeigt eben auch seinen Willen, wirklich in die Betriebsnachfolge einzusteigen.

Moderner, geräumiger Stall – für Ruhe und Tierwohl

Fünf Jahre haben Junglandwirt Niels und Senior Bernhard den neuen Stall geplant und die Optionen für die zu nutzende Melktechnik diskutiert. Sie entschieden sich schließlich für einen Neubau mit automatischen Melksystemen. Zwei Roboter übernehmen seit der Fertigstellung des neuen Stalls im Juni 2021 dreimal pro Tag das Melken der aktuell 125 Kühe. „Stallneubau und Melktechnik haben sich in einer leichten Steigerung der Milchleistung auf jetzt rund 12.600 kg Milch pro Kuh und Jahr ausgezahlt“, freut sich Niels. „Zudem bietet der Stallneubau mehr Platz; das sorgt für mehr Ruhe im Stall und steigert das Wohlbefinden der Kühe.“

Fließender Übergang, klare Arbeitsteilung

Das Gespür für Tiere und Pflanzen hat sich bei Niels, der ja nicht von einem Hof stammt, im Lauf der Jahre sehr gut entwickelt. „Mittlerweile sind wir auch zu einer kla-ren Arbeitsteilung gekommen“, berichtet Bernhard Borkes Bußhaus lächelnd: „Ich kümmere mich um die Nachzucht. Das komplette Management liegt inzwischen bei Niels – so habe ich den Kopf frei und kann in Ruhe arbeiten …“ Auch das Fazit von Niels ist eindeutig: „Unser Weg ist sicher nicht alltäglich. Aber wenn jemand eine solche Chance bekommt und wirklich Interesse an der Landwirtschaft hat, dann kann ich nur raten, mit beiden Händen mutig zuzugreifen!“

Mehr vom Milchhof Borkes Busshaus gibt es im Video bei Klartext-TV zu sehen.